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Es gibt Dinge auf dieser Welt, die mir richtig auf die Nerven gehen. Eines davon ist die Distanzierung von Aussagen, die Menschen im Bezug auf sich selbst treffen. „Man“ statt „ich“.

Ich plädiere für mehr „ich“ statt „man“.

Seit ich vor drei Jahren wegen meiner Depressionen in einer Tagesklinik war und erstmals auf dieses Phänomen aufmerksam wurde, versuche ich, sehr viel achtsamer damit umzugehen. Ich distanziere mich seltener von Aussagen, indem ich das „man“ durch das „ich“ ersetze. Wenn ich bis nachts um vier am Rechner sitze und zocke, dann sage ich am nächsten Tag nicht, dass „man“ ja so schwer aufhören könne, sondern, dass ich einfach nicht aufhören wollte.

Das Problem ist: Andere Menschen achten nicht darauf. Die Entpersonalisierung ist allgegenwärtig, weil es uns von unseren Eltern und Freunden so vorgelebt wird. Jeder tut es, und alle reden darüber. Und mich macht es stellenweise wahnsinnig, eben weil ich diesbezüglich achtsamer geworden bin.

Macht einmal folgendes Experiment: Wann immer ihr im Fernsehen oder im Radio eine Straßenumfrage seht/hört, schnappt euch einen Zettel und einen Stift und zählt nach, wie oft entpersonalisierte Aussagen getroffen werden. Besonders schön fand ich vor einiger Zeit eine Straßenumfrage auf NDR Info, in der es um die Ansiedlung einer Flüchtlingsunterkunft in irgendeiner kleineren Stadt ging. Eine Frau sagte sinngemäß: „Tjoa, also… ich weiß ja nicht… da gibt es ja so viele Dinge, über die man sich Gedanken macht. Man hat ja auch ein bisschen Angst, nech? Man weiß ja nicht, was da für Leute kommen.“

Nun sprach diese Frau also für die Allgemeinheit. Ich wohne nicht in dieser Stadt, aber: Ich hatte keine Angst, als ich wusste, dass in meiner Heimat einige leer stehende Gebäude in Unterkünfte für Geflüchtete umgewandelt werden. Natürlich wusste ich auch nicht, was da für Leute kommen, aber die einzigen Gedanken, die ich mir gemacht habe, waren die, welche Strapazen diese Menschen auf sich genommen haben müssen, um aus ihrem Heimatland zu entfliehen, und welche Schrecken sie dort vielleicht erlebt haben.

Und genau das meine ich. Die Frau hat sich von ihren Aussagen distanziert und hat ihre eigenen Ängste und Befürchtungen zu augenscheinlich allgemeingültigen Phrasen verdreht.

Die Worte, die wir nutzen, haben Auswirkung auf unsere Gedanken und Gefühle. Natürlich ist es leichter, das „ich“ wegzulassen. Ein „ich“ macht angreifbar, verletzlich. Es öffnet das Selbst. Aber es zeigt auch an, dass ich hinter meiner gerade getätigten Aussage stehe. Und das ist wichtig.

Es gibt noch ein weiteres schönes Beispiel zu diesem Thema, das aufzeigt, welche Macht die Sprache hat.  Aber das werde ich in einem weiteren Beitrag besprechen. Ihr könnt ja mal raten, um welches Wort es dabei wohl geht.

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